Ab wann gibt es Krankengeld?
Wer arbeitsunfähig erkrankt, muss sich keine Sorgen um sein Einkommen machen — zumindest für eine Weile. Das deutsche Sozialversicherungssystem sieht zwei aufeinander folgende Phasen vor:
Lohnfortzahlung
Dein Arbeitgeber zahlt bis zu 6 Wochen (42 Tage) dein volles Gehalt weiter — 100% deines Bruttolohns.
Krankengeld
Ab dem 43. Krankheitstag zahlt deine gesetzliche Krankenkasse (GKV) das Krankengeld — für bis zu 78 Wochen.
Wichtig: Anspruch auf Krankengeld haben nur Mitglieder einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Privatversicherte haben separate Regelungen über Krankentagegeld-Tarife. Minijobber (450-€-/556-€-Jobs) haben in der Regel keinen Anspruch auf Krankengeld, da sie nicht in der GKV pflichtversichert sind.
Die Formel: So wird Krankengeld berechnet
Die Berechnung des Krankengelds basiert auf zwei Grenzwerten, von denen immer der niedrigere gilt:
70% × Brutto-Regelentgelt,
90% × Netto-Regelentgelt
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Beitragsbemessungsgrenze 2026
Die Berechnung ist nach oben gedeckelt: Mehr als die Beitragsbemessungsgrenze zählt nicht (§ 47 Abs. 6 SGB V). Für 2026 gilt:
- Beitragsbemessungsgrenze GKV 2026: 5.812,50 € pro Monat (= 69.750 € pro Jahr)
- Maximales Krankengeld (brutto): 70 % × 5.812,50 € ÷ 30 = 135,63 €/Tag
- Davon abzüglich Sozialversicherungsbeiträge (ca. 12,4 %): ca. 118,81 €/Tag netto
Was genau abgezogen wird: Vom Krankengeld gehen Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung ab — keine Krankenversicherungsbeiträge (§ 224 Abs. 1 SGB V). Deinen Anteil trägst du je zur Hälfte mit der Krankenkasse: 9,3 % Rente + 1,3 % Arbeitslosen + 1,8 % Pflege = rund 12,4 % deines Krankengeldes. Wer keine Kinder hat, zahlt den Pflege-Zuschlag von 0,6 % allein und liegt damit etwas höher. Der genaue Betrag hängt von deiner Krankenkasse und deiner Kinderzahl ab — die Werte hier sind Richtwerte.
Rechenbeispiel: Brutto 3.500 € / Monat
Wie viel Krankengeld bekommt jemand mit einem Bruttogehalt von 3.500 € im Monat? So läuft die Rechnung Schritt für Schritt:
Im Vergleich zum Nettogehalt ist das eine spürbare Einbuße — bei 3.500 € Brutto entspricht das Krankengeld meist rund 65–70% des bisherigen Nettogehalts. Eine rechtzeitige Planung lohnt sich.
Wie lange wird Krankengeld gezahlt?
Krankengeld wird für maximal 78 Wochen (546 Tage) innerhalb eines rollierenden 3-Jahres-Zeitraums gezahlt — und zwar für dieselbe Erkrankung. Konkret bedeutet das:
- Die 78 Wochen werden innerhalb eines Zeitraums von 3 Jahren ab dem ersten Krankheitstag gezählt.
- Erkrankst du an einer anderen Krankheit, beginnt die Uhr neu.
- Wirst du nach einer lückenlosen Bezugsphase von mindestens 6 Monaten erneut wegen derselben Erkrankung arbeitsunfähig, kann ein neuer Anspruch entstehen (Blockfrist).
- Nach Ablauf der 78 Wochen ohne Besserung kommen ggf. Bürgergeld, ALG I oder eine Erwerbsminderungsrente in Frage.
⚠️ Achtung Blockfrist: Die Berechnung der verbleibenden Wochen ist komplex, da verschiedene Erkrankungen und Unterbrechungen berücksichtigt werden müssen. KrankengeldHeld Pro enthält eine automatische Blockfrist-Berechnung.
Sonderfälle beim Krankengeld
Nicht für jeden gelten dieselben Regeln. Hier sind die wichtigsten Sonderfälle:
Selbstständige
Freiwillig GKV-versicherte Selbstständige können Krankengeldanspruch haben — allerdings erst ab dem 43. Tag oder früher, wenn ein entsprechender Wahltarif gewählt wurde. Die Bemessungsgrundlage ist das beitragspflichtige Einkommen.
Minijobber
Geringfügig Beschäftigte (Minijob) zahlen keine eigenen GKV-Beiträge und sind familienversichert oder privat versichert. Sie haben daher keinen Krankengeldanspruch.
Elterngeld-Parallelität
Wer während des Elterngeldbezugs erkrankt, erhält kein zusätzliches Krankengeld. Entscheidend ist das zuletzt bezogene Einkommen vor der Elternzeit für eine spätere Berechnung.
ALG-I-Bezieher
Wer Arbeitslosengeld I bezieht und erkrankt, erhält anstelle des ALG I das sogenannte Krankengeldsatz-ALG — in gleicher Höhe, aber von der Krankenkasse ausgezahlt.
Was viele nicht wissen: Steuerpflicht trotz Steuerfreiheit
Krankengeld ist zwar steuerfrei — du zahlst auf den Krankengeldanteil direkt keine Einkommensteuer. Allerdings gilt der sogenannte Progressionsvorbehalt:
- Das Krankengeld wird dem übrigen Einkommen rechnerisch hinzugerechnet, um den Steuersatz zu ermitteln.
- Dieser (höhere) Steuersatz wird dann auf das steuerpflichtige Einkommen (z.B. Gehalt aus dem Rest des Jahres) angewendet.
- Das kann zu einer Steuernachzahlung führen — deshalb unbedingt Steuererklärung abgeben!
Praxis-Tipp: Wer längere Zeit Krankengeld bezieht, sollte beim Finanzamt Vorauszahlungen prüfen oder frühzeitig Rücklagen bilden, um eine unerwartete Steuernachzahlung zu vermeiden.
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